Partnerschaft mit Konin/Polen

was macht denn …

… eigentlich unsere Partnerschaft mit Polen?

Rund 30 Jahre oder länger dauert schon die Partnerschaft mit der evangelischen Kirche in Konin und Umgebung. In dieser Zeit hat es auf manchen Ebenen manche Begegnung gegeben. Im August war eine Delegation unserer Gemeinde aufgebrochen, um den traditionellen Gottesdienst mit ehemaligen und gegenwärtigen Bewohnern der Gemeinde Zagorow zu feiern. Pastor Krebber predigte über das Lied „Vertraut den neuen Wegen“, das auch in einer Übersetzung im neuen polnischen Gesangbuch zu finden ist. Neu in diesem Jahr: Das Interesse von polnischen Institutionen an der Geschichte ihres Heimatlandes. Der „Urwald von Peisern“, wie diese Region im Warthe-Land auch genannt wird, gilt seit Kriegsende als das am dünnsten besiedelte Gebiet Polens. Nun machen sich Zeitgenossen auf die Spurensuche, um nach dem Verbleib der ehemaligen „Hauländer“ zu fragen. Dabei werden die Fragen von Vertreibung und Zwangsausweisung ebenfalls berührt. An diesem Wochenende wurde Herr Erich Kuhn von einem Kamerateam auf dem Weg durch seine ehemalige Heimat begleitet.

Das Bild zeigt Herrn Kuhn im Kreise der Reiseteilnehmer und mit ehemaligen Nachbarn seines Elternhauses. Die Dankbarkeit war groß, dass eine solche Begegnung im Sinne der Versöhnung und im Geist des Friedens möglich ist. Aus den Dreharbeiten soll in 2015 ein Dokumentarfilm entstehen. Zu der Gesprächskultur hat sicher auch beigetragen, dass die Partnerschaft zwischen Detmold und Konin mit ruhiger Hand und mit langem Atem gepflegt wird. Seit nunmehr 3 Jahren ist Pastor Waldemar Wunsch (links im oberen Bild, zusammen mit Pfr. Krebber) der Gemeinde zugeordnet. In diesem Jahr wurde er offiziell gewählt. Er plant, in dem stillgelegten Altenheim mit Hilfe der polnischen Diakonie eine Tagespflegeeinrichtung für dementiell Erkrankte einzurichten. Das Gemeindehaus in Konin könnte demnächst einen eigenen Kindergarten beherbergen. Gute Qualität ist sehr begehrt. Das Gespräch mit jungen Familien könnte das Profil dieser Gemeinde noch besser ins Licht rücken. Noch heute spricht man im Orte nicht von der „evangelischen“, sondern von der „deutschen“ Gemeinde, obwohl Pastor Mendrok dort seit über dreißig Jahren reinstes Polnisch gepredigt hat. Die junge Familie mit 2 Söhnen (Jakub, 6 J. und Leon 1,5 J.) kann da bestimmt für Aufklärung sorgen. Allerdings sind die Evangelischen nur spärlich in einer großen Gemeinde (Radius: 60 km!). Wie viele andere Bürger aus Konin sind auch die Protestanten auf der Suche nach Arbeitsplätzen viel unterwegs. Die wenigen Jugendlichen, die überhaupt noch da sind, werden in jahrgangsübergreifenden Gruppen zusammen unterrichtet. Schon heute weiß man, dass erst wieder mit Jakub Wunsch der nächste Konfirmandenjahrgang ansteht: In 8 Jahren!

 

Partnerschaftsfahrt im August 2016 nach Konin, Polen

s16fkonin-ausflug_2016_08_20Der dritte Sonntag im August hat in der Geschichte unserer Gemeinde ein besonderes Gewicht:

Dann findet mit groser Regelmasigkeit in unserer Partnergemeinde Konin, genauer: in der Ortschaft Zagorow, ein besonderer Gottesdienst in zwei Sprachen statt. Ehemalige deutsche Bewohner, die nach dem zweiten Weltkrieg dort ihre Heimat verlassen mussten, und jetzige Bewohner der Region feiern in der – früher deutschen, jetzt aber polnischen – Kirche, die immer noch evangelisch ist, einen ökumenischen Gottesdienst. Im Jahre 2015 war unser ehemaliger Pastor E. Alberts dorthin mitgefahren, in diesem Jahr war es B. Krebber, der dort die Predigt hielt. Die Detmolder Delegation bestand „nur“ aus sechs Personen, allerdings mit Vertretern von drei Generationen. Die lange Tradition dieser Gottesdienste hat allerdings dazu geführt, dass die dortige Gemeinde aus sechs Orten, die weit verstreut liegen, extra zu diesem Termin zusammen kommt. Auch die katholischen Nachbarn, vertreten durch einen stimmgewaltigen Männerchor, haben sich bereits mehrmals beteiligt.

Darüber hinaus gibt es eine besondere Aufmerksamkeit in vielen deutschen Städten und Gemeinden, wohin die ehemaligen Bewohner aus jenem Bereich des Warthe-Landes umgezogen sind. Auch in diesem Jahr kamen solche Menschen mit ihren persönlichen Erinnerungen, die allesamt dem Frieden und der Aussöhnung verpflichtet sind. In Zeiten, wo rings um uns her der Krieg mit Rache und Vergeltung schon wieder gesellschaftsfähig wird, sind solche Gesten von Freundschaft und Versöhnung zwischen den Völkern von großer Bedeutung.

Pfarrer Wunsch aus Konin möchte unsere Beziehungen vertiefen und im Gegenzug nächstes Jahr mit seinem Kirchenvorstand Detmold besuchen. Wie werden wir ihn empfangen?

Burkhard Krebber