Reformation in Lippe

Der Beginn der Reformation in Lippe liegt in Lemgo, der damals größten Stadt Lippes. Dort werden Luthers Schriften gelesen und dann beginnen Menschen, den Gottesdienst mitzugestalten: Sie singen. Der Paderborner Bischof schickt einen Berichterstatter. Als er nach Paderborn zurückkehrt, stellt der Bischof eine Frage: „Singen Sie?“ und er erhält die Antwort: „Sie singen alle!“. Reformation ist eine Gemeinde- und Gemeinschaftsbewegung gewesen – und sie ist von Anfang an mit Musik verbunden, in der Reformationszeit mit Luthers Chorälen. Schaut man die Lieder genauer an, so gibt es vorsichtige Nachdichtungen von Hymnen zu den Feiertagen, Nachdichtungen zu den Gottesdienstteilen und dann gesungene Lehre. „Nun freut euch liebe Christeng’mein“ ist da wohl das wichtigste Beispiel nach „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Aus der Singbewegung wird dann eine Staatsgeschichte. Der lippische Edelherr wird zunächst lutherisch und so wird auch Lippe lutherisch. Ein Visitator, Anton Corvinus, reist durch die Gemeinden. Die Pfarrer müssen eine Art Prüfung ablegen und sie müssen ihre Haushälterinnen heiraten. Auch das ist evangelisch, geordnete Verhältnisse im Pfarrhaus.

Dann wird Simon VI reformiert, nicht in seiner Residenz Brake, sondern in Detmold. In der Marktkirche das erste öffentliche reformierte Abendmahl: mit Brot, das gebrochen wird. Lippe wird reformiert, denn es gilt der Grundsatz „Wie der Herr des Landes, so die Menschen“. Aber nicht alle vollziehen das nach. Lemgo bleibt lutherisch und legt es auf einen Konflikt an. Vor 400 Jahren kommt man zu einem wichtigen Entschluss. Statt mit Gewalt die Sache zu klären, schließt man auf Gut Röhrentrup einen Vergleich – 1617. Er heißt Röhrentruper Rezess und bildet bis heute eine Grundlage für unsere Lippische Landeskirche als eine gemeinsame Kirche von zwei Konfessionen: lutherisch und reformiert.

Ich finde die Entscheidung von damals wegweisend: sie verlangt von allen Beteiligten, den anderen zu achten und übt ein in ein Miteinander von Mehrheit und Minderheit. Keiner kann sagen, ich allein bin es. Und es zeigt eine großartige Offenheit für die Zukunft. Ist das nicht ein grandioses Modell von Kirche? Wir haben eine gemeinsame Synode, beraten gemeinsam und verantworten christlichen Glauben in dieser Welt gemeinsam – trotz aller Unterschiede. Da ist sicher Platz für noch andere in diesem Modell.

Im Mai 2017, als der Europäische Stationenweg in Lippe an Schloss Brake zu Gast war, haben wir das gefeiert als unseren Beitrag zur Reformation in Europa: gemeinsam Kirche sein – lokal in Lippe als Modell für die Welt.

Maik Fleck