Andacht

Im Dunkel unsrer Nacht

entzĂĽnde das Feuer,

das nie mehr verlischt,

das nie mehr verlischt.

Dieser Text gehört zu einem Lied des ökumenischen Männerordens Taizé, vielleicht kennen Sie es sogar. Es ist ein typisches Taizé-Lied: es hat einen kurzen und einprägsamen Text und auch die Melodie ist sehr einfach zu lernen. Wie es für Gesänge aus Taizé üblich ist, kann man dieses kleine Lied in zahlreichen Wiederholungen über eine lange Zeit, einen ganzen Tag oder vielleicht sogar eine ganze Nacht singen. Von ihrer Intention her sind die Lieder des ökumenischen Männerordens nahe Cluny, der für seine Jugendtreffen und eben seine Gesänge bekannt ist, gar keine Gesänge, sondern viel mehr als das. Die Lieder der Glaubensgemeinschaft sind so angelegt, dass sie eigentlich Gebete sind und einen sehr meditativen Charakter haben. In Taizé – und in deren Nachfolge auch in vielen Gemeinde in der ganzen Welt – ist es üblich, diese Lieder mehrstimmig oder einstimmig in einem Gottesdienst oder einer Andacht zu singen. Durch zahlreiche Wiederholungen erfährt man den den Text immer wieder neu und immer wieder anders.

Im Dunkel unsrer Nacht

entzĂĽnde das Feuer,

das nie mehr verlischt,

das nie mehr verlischt.

Obwohl dieses Lied nicht auf eine bestimmte Jahreszeit hin komponiert wurde, passt es für mich doch wunderbar in diese Jahreszeit. Wir kommen aus dem dunklen und grauen November. Wir haben an den letzten beiden Sonntagen des Kirchenjahres an die Menschen gedacht, von denen wir Abschied nehmen mussten. Menschen, die in den beiden Weltkriegen umgekommen sind und die, die heute noch täglich in den Kriegen dieser Welt sinnlos ihr Leben lassen. Wir haben uns auch an die zahlreichen Menschen aus unseren Gemeinden erinnert, die wir zu Grabe tragen mussten und die wir vielleicht noch so schmerzlich vermissen. Der November ist für viele eine traurige, eine dunkle Zeit, die manchmal nur schwer alleine auszuhalten ist. Viele befinden sich im Dunkel ihrer Nacht und sind darauf angewiesen, dass ihnen ein Feuer entzündet wird, damit es wieder heller wird.

In der Adventszeit entzünden wir dieses Feuer, stellen es in unseren Wohnungen auf und nehmen es tief in uns auf. Viele freuen sich schon lange im Voraus auf den Advent, die Vorfreude auf das kleine große Geschehen im Stall in Bethlehem. Im Advent wird ein Licht in uns entzündet, das Freude in uns verbreitet, das uns wärmt, das uns trägt, uns tröstet und das uns nicht verlässt. Seinen Höhepunkt erreicht das Feuer am Heiligen Abend, wenn die Engel in strahlendes Licht gehüllt ihre Freudenbotschaft weitergeben: „Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren…“

Nach Weihnachten verlöschen zwar die Lichter der Adventskränze und der Weihnachtsbäume. Aber das Licht der Weihnacht bleibt uns doch erhalten und trägt uns durchs Jahr. Vielleicht erinnert Sie ja dieses kleine Lied, in häufiger Wiederholung quer durch das Jahr gesungen, an manchen Tagen an das Licht der Weihnacht, das immer in uns leuchtet und hoffentlich nie mehr verlischt. Denn Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)

Im Dunkel unsrer Nacht

entzĂĽnde das Feuer,

das nie mehr verlischt,

das nie mehr verlischt.

Ich wĂĽnsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und Gottes Segen fĂĽr das neue Jahr!

Ihre Pfarrerin Mareike Lesemann