Andacht

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jesus Christus spricht: ÔÇ×Ich bin der gute Hirte und kenne meine Schafe, und sie kennen mich. Und ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich f├╝hren, und sie werden wie die ├╝brigen meiner Stimme folgen und es wird eine Herde sein.ÔÇť

Johannes 10, 14 und 16

Ganz anders – und doch eins.

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Reise durch die Welt und als Sie Station in einer Stadt machen, f├Ąllt ihnen ein Geb├Ąude auf, das offensichtlich eine Kirche ist. Sie ├╝berlegen kurz und ├╝berwinden die Schwelle. Was Sie innen erwartet, ist so ganz anders als das. Was Sie in einer Kirche erwartet h├Ątten. Und doch erkennen Sie bekannte Dinge wieder. Ja, das ist wirklich eine christliche Kirche! Eine Frau kommt auf Sie zu und beginnt ein Gespr├Ąch, in dem Sie die vielen Unterschiede zwischen dieser Gemeinde und ihrer Detmolder Gemeinde entdecken. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten: Die Begeisterung f├╝r den Glauben an Jesus Christus, f├╝r die Bibel, f├╝r den Dienst an Menschen. Und so ist das Fundament ihres Glaubens gleich. Egal wie anders die Musik in der Kirche ist, egal wie anders die Gottesdienste gefeiert werden, egal wie anders einige inhaltliche Kleinigkeiten sind. Sie beide sind Christen und das sind Sie gerne.

Ich schreibe diese Zeilen w├Ąhrend einer Konferenz in Polen, bei der ich Christen aus ganz Europa getroffen habe. Und nicht nur das, sie geh├Ârten auch den verschiedensten Konfessionen und Untergruppen an. Da traf eine Jesuitin mit dunklem Teint aus London auf einen hellblonden Lutheraner aus Oslo, ein orthodoxer Serbe auf einen reformierten Detmolder. So bunt gemischt wir auch waren und so unterschiedlich unsere Theologie auch gewesen sein mag, so haben wir doch gemeinsam Gottesdienst gefeiert. Das meiste ging in Englisch, das Vater unser beteten wir dann aber alle in ihrer Muttersprache. Wir wurden im Gebet in den unterschiedlichsten Sprachen zu einer Gemeinschaft. Ja, es war ungewohnt, neben sich das so in Fleisch und Blut ├╝bergegangene Gebet in anderen und meist unverst├Ąndlichen Worten zu h├Âren. Sehr eindr├╝cklich fand ich die Tatsache, dass das Vater Unser einmal nicht zu einem wunderbaren Gemurmel wurde, sondern etwas Besonderes geschah. Die Pausen zwischen den Bitten sind offensichtlich international und so ergab es sich, dass wir gegenseitig warteten, bis alle mit der Zeile fertig waren. Erst dann setzten alle gemeinsam mit der n├Ąchsten an. Meist warteten die anderen auf uns Deutsche, aber so ist das nun mal: Wir Deutschen sind nicht immer die Schnellsten.

Das Wichtigste ist aber: Jesus vereint so viele unterschiedliche Menschen, von denen wir nicht mal im Traum daran denken w├╝rden, dass wir etwas gemeinsam haben.

Wolfgang Loest