Andacht

„Mfurahini Haleluya“ oder: Lasst uns tanzen!

Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich auf Ostern, auf die Gottesdienste, die wir feiern und die uns vom Leben erzählen.

Dazu gehören auch die Lieder, die wir singen. Unter den Osterliedern ist eines im Gesangbuch, das löst etwas in mir aus, wie nur wenige Lieder des Gesangbuches. Wenn wir zu Ostern singen „Er ist erstanden, Halleluja“ (EG 116), dann verspüre ich Lust zu tanzen. Die Melodie dieses Liedes ist so fröhlich, beschwingt, tänzerisch. Unwillkürlich möchte ich mich dazu bewegen.

Dieses Osterlied ist eines von nur zwei afrikanischen Liedern, die Eingang gefunden haben in unser Evangelisches Gesangbuch. Es stammt aus Tansania und ich kann mir gut vorstellen, wie die Menschen dort in den stundenlangen Gottesdiensten, die zu Ostern gefeiert werden, fröhlich in dieses Lied einstimmen und tanzen. Zu Ostern in den Kirchen zu tanzen, wie es unsere Geschwister in vielen afrikanischen Kirchen jeden Sonntag tun, war im Mittelalter insbesondere in Frankreich weit verbreitet. Der Ostertanz war Ausdruck der Freude über den Sieg des Lebens über den Tod.

Den Text dieses Osterliedes aus Tansania verdanken wir Bernard  Kyamanywa. Da seine Mutter bei der Geburt verstarb, wuchs er in Pflegefamilien und in einem  Kinderheim der Bethel-Mission auf.

Er wurde Lehrer und später Pfarrer. An der Theologischen Hochschule, an der er studierte, suchte man in den 1960er Jahren nach afrikanischen Ausdrucksformen christlichen Glaubens in Liedtexten und Melodien. Bernard Kyamanywa steuerte unter anderem dieses Lied bei, das dann weltweit bekannt wurde.

Die Strophen des Liedes erzählen in wenigen Strichen die Ostergeschichte: Alles schien aus, Jesus war den Verbrechertod gestorben; alle Hoffnungen mit ihm begraben. „Er war begraben drei Tage lang“, singen wir mit dem afrikanischen Osterlied. Doch dann der Ostermorgen: Die Frauen kommen zum Grab: „Der Engel sagte: ‚Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus, hier ist er nicht.“

In jeder Strophe stimmen alle in die Erzählung der Ostergeschichte ein mit einem Jubelruf: „Lasst und lobsingen vor unserem Gott … Jesus bringt Leben, Hallelluja!“

Ja, ich möchte einstimmen können zu Ostern in diesen Jubel, in die Freude, in den Tanz: Dem Tod ist die letzte Macht genommen. Die Mächte des Todes, die in dieser Welt so oft das Sagen zu haben scheinen, sie werden nicht das letzte Wort behalten. Das letzte Wort hat das Leben! „Er ist erstanden, Halleluja.“

Das afrikanische Osterlied erzählt davon, dass die Auferstehung Jesu mehr ist als ein einmaliges Ereignis von vor bald 2000 Jahren. Die Geschichte der Auferstehung ist unsere Geschichte; wir werden mit in sie hineingenommen. Diese Geschichte nimmt uns den Weg, den wir am Ende unseres Lebens alle gehen müssen, nicht ab. Das ist wahr. Sie nimmt uns die schmerzhafte Erfahrung nicht ab, dass Menschen, die wir lieben, diesen Weg gehen müssen. Auch das ist wahr. Aber seit Ostern können wir wissen: Das ist nicht das letzte, was zu erzählen sein wird. Am Ende wird vom Leben erzählt werden. Wie heißt es in dem afrikanischen Osterlied: „Christ hat das Leben wiedergebracht.“ Das feiern Menschen zu Ostern überall auf dieser Erde mit den unterschiedlichsten Liedern, Gebräuchen, aber immer mit dieser einen Geschichte. Lassen wir uns einladen. Feiern wir mit!

Dietmar Arends, Landessuperintendent