Andacht

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!

(Monatsspruch Februar Lukas 10,5, Einheits├╝bersetzung)

Liebe Leserin, lieber Leser,

nun also waren sie unterwegs. Jesus hatte sie berufen, die 72 J├╝ngerinnen und J├╝nger. Und er hatte sie beauftragt, ihn voran zu gehen in die D├Ârfer und St├Ądte Galil├Ąas. Aber er hatte ihnen auch reinen Wein eingeschenkt: ÔÇ×Ich sende euch wie L├Ąmmer mitten unter die W├ÂlfeÔÇť. Denn auch Jesus hatte immer wieder ├ärger bekommen mit Leuten, die es besser zu wissen glaubten. Oder mit Menschen, die ihn anfeindeten, weil er Neues dachte und auch mit Z├Âllnern und S├╝ndern verkehrte. Seine J├╝nger w├╝rden es also ebenfalls nicht nur leicht haben. Sie waren unterwegs ins Ungewisse.

Nun also sind wir unterwegs ÔÇô im neuen Jahr. Schon ein Zw├Âlftel liegt hinter uns, aber vieles vor uns. Neue pers├Ânliche Herausforderungen warten vielleicht jeweils auf uns. Aber auch entscheidende politische und gesellschaftliche Entwicklungen stehen an. Manches macht einem auch Sorgen, z.B. die m├Âgliche weitere Bedrohung durch den Terror oder was wohl bei den anstehenden Wahlen in diesem Jahr zu erwarten ist. Wir sind unterwegs, in mancher Hinsicht auch ins Ungewisse.

Jesus gibt seinen J├╝ngern f├╝r all das erstaunlich wenig mit, scheint es. Die Geschichte von der Aussendung der 72 J├╝nger z├Ąhlt nur auf, was sie nicht mitnehmen sollen: keine Tasche, kein Geld, noch nicht mal Schuhe! Sie sollen sich ganz auf Jesus und seinen Vater verlassen. Aber einen entscheidenden Rat gibt er ihnen: ÔÇ×Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!ÔÇť

Was zun├Ąchst wie ein harmloser Gru├č klingt, ist aber mehr. Dazu muss man sich vorstellen: Die J├╝nger klopfen an ein fremdes Haus. Sie wissen nicht, was sie erwarten wird, ob man sie hier akzeptiert, oder vielleicht ablehnt, ob man ihnen gar ├╝bel will. Aber sie sollen gerade nicht mit dem Schlimmsten rechnen und daf├╝r etwa R├╝stung und Waffen anlegen. Sondern sie sollen dem anderen den Frieden erstmal zutrauen, dem anderen Menschen, dem anderen Haus.

So eine Haltung finde ich hilfreich auch f├╝r unsere heutigen Herausforderungen. So w├╝rden wir allen Menschen, denen wir in diesem Jahr begegnen, erstmal Frieden und einen konstruktiven Dialog zutrauen. Es w├╝rde unsere Begegnungen pr├Ągen, wenn wir dem anderen offen und freundlich begegneten, auch dem unbekannten und auf den ersten Blick unangenehmen Gegen├╝ber. Wir w├╝rden helfen Spannungen abzubauen, Misstrauen zu ├╝berwinden, den Frieden mit dem anderen gemeinsam zu entdecken. Jesu Worte gehen n├Ąmlich so weiter: ÔÇ×Und wenn dort ein Kind des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhenÔÇť. Unser Friede kann ausstrahlen auf die anderen Menschen!

Und wir w├╝rden auch unbekannten ÔÇ×H├ĄusernÔÇť Frieden zusagen. Das hei├čt, wir w├╝rden auch auf ungewohnte Gesamtsituationen mit einer inneren Haltung des Friedens zugehen. Wir w├╝rden die Chancen sehen, die Hoffnung nicht verlieren.

Aber Jesus ist nicht naiv: Er k├╝ndigt seinen J├╝ngern auch Entt├Ąuschungen an: ÔÇ×Wenn dort ein Kind des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden.ÔÇť Der Friede wird dann also wieder zu uns zur├╝ckkehren, aber er wird nicht Hass werden. Es wird Friede bleiben, der uns erf├╝llen wird.

Das schlie├člich ist die gro├če Zusage dabei: In all den Versuchen, offen auf die Zukunft zuzugehen, wird uns der Friede Gottes begleiten. Darum kann Jesus auch seine J├╝nger heute auch vertrauensvoll losschicken in die Welt.

Mit herzlichen Gr├╝├čen, Ihr Dieter B├Âkemeier