Gedanken

Andacht ĂĽber den Wochenspruch zur Woche nach dem 15. So. n. d. Trinitatisfest:

Liebe Gemeinde,

es ist eine lange Tradition, dass wir zu Beginn der Gottesdienste mit dem so genannten „Wochenspruch“ beginnen. Ein Bibelvers, der als Leitstern durch die anbrechende Woche führen und alle Wochentage begleiten soll. In Wirklichkeit aber wird er ganz schnell vergessen. Der Wochenspruch vom Jubiläum der Bibelgesellschaft sei hier schon einmal zitiert, denn er kann all unser vorbereitendes Sorgen in ein freundliches Licht tauchen:

Alle eure Sorge werft auf Ihn; denn Er sorgt fĂĽr euch. 1. Petr. 5,7

»Sie macht sich viele Sorgen und MĂĽhe um ihre Lieben«, sagen wir von einer guten Mutter und Ehefrau. »Er war ein treu sorgender Familienvater «, heiĂźt es am Grab des Verstorbenen. Der Unternehmer sorgt fĂĽr seinen Betrieb; die Eltern versorgen ihre Kinder mit allem, was zum Leben nötig ist; und die Pfarrer sind ihrer Gemeinde – hoffentlich! – gute Seelsorger. Diese Rede vom Sorgen ist uns ganz geläufig. Wird uns dies ausgerechnet von der Bibel in Abrede gestellt? »Alle eure Sorge werft auf Gott…«

Ist es denn schlecht, sich Sorgen zu machen – auch noch fĂĽr andere? Muss man denn nicht sein Geld verdienen, fĂĽr die Familie sorgen, seinen Platz in der Welt schaffen und sichern?

Habe ich meine Gaben und Fähigkeiten als Mensch nicht mitbekommen, um für andere und mich selbst zu sorgen? Auf diese Weise kann ich selber dazu beitragen, dass Not gelindert und Schäden vermieden werden. Das kann nicht gegen Gottes Willen sein. Aber in dem Streben nach Sicherheit und Sicherung gibt es auch Extreme:

Sie kennen bestimmt solche Leute wie Jens K.: Er macht sich schier verrĂĽckt fĂĽr sein BĂĽro! Jeden Abend regelmäßig Ăśberstunden. Am Samstagmorgen geht er auch noch hin und bringt sich Arbeit fĂĽr zuhause mit. – Oder: Sandra L. lebt ständig in Angst. Nach der Hausrat-, Unfall-, Sterbe- und Haftpflichtversicherung hat sie jetzt noch zwei hohe Lebensversicherungen abgeschlossen. Und immer noch nicht genug: Jetzt ĂĽberlegt sie, ihre Kinder mit einer Arbeitsunfähigkeitsversicherung abzusichern und vor weiteren Wechselfällen des Schicksals zu schĂĽtzen. – Und dann ist da noch  Arndt M.: Er achtet sehr auf seine Gesundheit! Dreimal in der Woche geht er zum Schwimmen. Er meidet jegliches ĂśbermaĂź, isst streng salzarm und ohne Fett. Niemand hat ihn je nach zehn ins Bett gehen sehen. Der Schlaf vor Mitternacht sei der gesĂĽndeste, sagt er. So wie er lebt, könne man 100 werden, sagt er. Wenn es alle so machten, brauchten wir keine Krankenkassen, meint er. – Das sind drei Menschen, die vor Sorge umkommen, und die am Leben vorbei leben. Verkehrte Welt! Und wir alle tragen ein gutes StĂĽck von dem verkehrten Wesen auch mit uns herum. Ganz schnell ist aus unserer berechtigten Sorge fĂĽr unseren Leib und Leben schon etwas anderes geworden: Angst, Hektik, Betriebsamkeit, Hetze… Unsere

»Sorge« schlägt in vielen Bereichen in »Sorglichkeit« um.

Ob nicht mit diesem Bibelwort das gemeint ist: Vergesst bei eurem Einsatz für euer Leben und eure Lieben nicht, dass Gott in Jesus Christus schon für all das gesorgt hat, was euer Leben überhaupt erst einmal trägt. Bedenkt die Botschaft der Bibel, dass Gott im Grunde schon für alles gesorgt hat. Nehmen wir daher den Wochenspruch so:

Alle eure Sorglichkeit werft auf Gott; denn er hat schon für euch gesorgt. So werden wir ein fröhliches Jubiläum der Bibelgesellschaft feiern können. So steht der Weg in die Zukunft unter einer guten Zusage. So soll auch Ihre persönliche Zukunft eine hilfreiche Begleitung erfahren: Das Leben wird nicht sorgenfrei sein, aber auch nicht zersetzt durch die ständige Sorglichkeit, die uns die Lebensfreude schmälert. Seien Sie herzlich willkommen, um diesen Jubiläums-Tag dankbar und heiter zu erleben. Wir feiern die Bibel als guten Ratgeber am Sonntag und im Alltag. Der Wochenspruch wird uns darauf einstimmen.

Ihr Burkhard Krebber