Andacht

Suche Frieden und jage ihm nach!

Manche Tage im Jahr sind anders als ein Großteil der Tage eines Jahres. Manche Tage stechen besonders hervor. Manche Tage im Jahr werden mit besonderer Spannung erwartet.
FĂŒr mich gehört der Ostermorgen dazu, wenn man sich schon ganz frĂŒh am Morgen auf den Weg in die Gottesdienste begibt. Wenn die meisten Menschen noch schlafen, alles sehr still ist und man selber sich schon auf diesen Gottesdienst freut.
Der 24. Dezember ist auch so ein besonderer Tag. Den ganzen Tag liegt eine große Erwartung und Spannung in der Luft, alle sind aufgeregt und freuen sich auf den Heiligen Abend. Die Kirchen sind an diesem Tag voll. Viele kommen, um die gute Nachricht gesagt zu bekommen, dass Gott Mensch geworden ist.
Auch Geburtstage sind fĂŒr mich besonders. Man stellt einen Menschen einen Tag in den Mittelpunkt, schautmit ihm zusammen zurĂŒck und nach vorn. Viele Menschen denken an so einem Tag an das Geburtstagskind, rufen an, besuchen es vielleicht sogar. Es wird viel geredet, manchmal gesungen, gefeiert, gelacht. Ein wirklich schöner Tag so ein Geburtstag.
Ganz besonders ist fĂŒr mich quasi der Geburtstag des neuen Jahres, der erste Tag im neuen Jahr, der 1. Januar. Am Morgen ist es relativ still. Wenn man durch die Straßen geht, sieht man die Reste der vielen Feiern, der großen Feuerwerke, die es an vielen Orten gab. Man spĂŒrt noch das Leben, das
am Altjahrsabend und in der Silvesternacht auf den Straßen herrschte. Das alte Jahr wurde ordentlich verabschiedet und das neue Jahr gebĂŒhrend begrĂŒĂŸt, aber am Morgen ist alles still.
Ein neues Jahr, 2019. Was wird es uns bringen? Manches steht ja schon fest, was sich mit diesem Jahr Àndern wird: Neue Gesetze treten in Kraft; mancher tritt vielleicht eine neue Arbeitsstelle
an, mancher geht in den Ruhestand. Insgesamt wird 2019 bestimmt anders als 2018 und das ist ja auch gut so.
Am ersten Tag im neuen Jahr kann man noch wunderbar trĂ€umen: Das neue Jahr ist noch jung, es hat gerade erst begonnen und es ist noch alles möglich. Dem neuen Jahr und uns stehen alle Möglichkeiten offen. Wir mĂŒssen uns nur entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Wer bewegt
uns? Was treibt uns an? Was soll 2019 fĂŒr uns im Mittelpunkt stehen?
In vielen Gottesdiensten und Andachten zu Jahresbeginn wird die neue Jahreslosung vorgestellt und bedacht. Vielleicht ist das ja etwas, das wir uns fĂŒr das neue Jahr vornehmen können. Etwas, das uns im noch jungen Jahr eine Richtung vorgibt. Seit 85 Jahren gibt es die Jahreslosung erst. 1934 hat
Oskar Schnetters in Kassel einen Bibelvers ausgesucht, auf Plakate gedruckt und verteilt. Die Idee war fĂŒr viele so ĂŒberzeugend, dass sie diese Plakate auch aufgehĂ€ngt und weiterverteilt
haben. „Des Herrn Wort aber bleibet in Ewigkeit“, dieser Satz aus 1Petr 1,25 war die erste Jahreslosung und war auch eine politische Aussage. Die Jahreslosung 85 Jahre spĂ€ter hat
auch wieder etwas politisches: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ So heißt es in Psalm 34,15 und so soll es uns durch das Jahr 2019 begleiten. Frieden fehlt uns an vielen Orten dieser
Welt, wir sollten ihn unbedingt suchen – und wenn wir ihn sehen oder erahnen, dann sollten wir ihm nachjagen und ihn festhalten. Ein Bibelvers also, der gut in unsere Zeit passt und zu dem man eigentlich gar nicht viel sagen muss.
Die sechs Worte der Jahreslosung sind als solche schon aussagekrĂ€ftig genug und erklĂ€ren sich eigentlich von selbst. Sie stellen uns vor eine große Aufgabe. Eine Aufgabe, die manchem
zu groß erscheint. Wie soll das nur gehen? Wie kann ich als kleiner Mensch zum Frieden Suchen und Finden beitragen? Die Antwort findet sich auch in Psalm 34, in den Worten direkt vor der Jahreslosung, im gleichen Vers: „Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“ Ein guter Tipp, den David uns in diesem Psalm gibt.
Wenn Sie diesen Gemeindebrief in der Hand halten, ist das neue Jahr noch gar nicht so alt. Wir haben noch jede Möglichkeit es zu gestalten. Vielleicht ist das eine gute Aufgabe fĂŒr
2019: „Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“

Ihre Mareike Lesemann