Andacht

Liebe Leserin, lieber Leser!

In der Bibel ist es wie im normalen Leben: Immer sind irgendwelche Menschen irgendwohin unterwegs. Das fängt schon ganz am Anfang an. Adam und Eva müssen das Paradies verlassen und finden einen anderen Ort, an dem sie gut leben können. Nachdem Kain seinen Bruder Abel erschlägt, macht auch er sich auf den Weg – zugegeben, hier sollte man wohl eher von Flucht- als von Bewegungsgeschichten sprechen. Abraham macht sich aus seinem Heimatland aber freiwillig auf den Weg, er flieht nicht. Er folgt dem Auftrag Gottes und setzt sich mit seiner Frau in Bewegung. Dazu kommt die Verheißung Gottes, dass Abraham eine große Nachkommenschaft bekommen soll und ein Segen sein wird. Abraham macht sich also auf den Weg und viele folgen ihm. Auch Isaak ist unterwegs, Jakob und Esau und zu Zeiten Josefs ist schließlich ganz Israel auf dem Weg nach Ägypten an die Fleischtöpfe, weg aus der ausgedörrten Heimat. Lange bleibt das Volk Israel in Ägypten, obwohl es ihm dort nicht besonders gut geht. Erst als Mose das Volk zusammenruft, seinen Gott auf seiner Seite weiß und gegen den Pharao aufbegehrt, macht sich das Volk Israel schließlich aus dem Staub (was nicht ganz so einfach geht, wie es hier geschildert wird; lesen Sie es gerne in der Bibel nach, genauer gesagt im 2. Mose).

Allerdings ist dieser Weg des Volkes Israel nicht ganz kurz: 40 Jahre brauchen sie, bis sie schließlich in der von Gott versprochenen, neuen Heimat ankommen. Allein in den ersten fünf Büchern des Alten Testaments steckt schon viel Bewegung. Aber es geht ja noch weiter…

Im Neuen Testament gibt es nämlich genauso wenig Stillstand wie im Alten. Zuerst müssen sich Maria und Josef extra für die Geburt ihres Kindes auf den Weg nach Bethlehem machen. Dann ist Jesus mit seinen Jüngern quer durch Israel unterwegs, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen, um seine Botschaft an den verschiedenen Orten seines Landes unters Volk zu bringen. Nach dem Tod und der Auferstehung Jesu bewegt sich seine Botschaft weiter. Seine Jünger machen sich auf den Weg in die ganze bekannte Welt, um von Jesus zu erzählen und seine Botschaft in die Welt hinauszutragen. Der Apostel Paulus ist scheinbar ruhelos, ständig zu Fuß, per Reittier oder per Schiff unterwegs, um immer weiter in die Welt zu gelangen und die Gute Nachricht Jesu weiterzutragen.

Heute sind wir ständig unterwegs – mal auf kurzen, alltäglichen Wegen und mal auf langen Wegen, die uns viel Zeit zum Nachdenken lassen. Die Gute Nachricht von Jesus Christus ist inzwischen fast bis in den letzten Zipfel der Welt gelangt – und doch nicht immer in unserem Herzen angekommen. Vielleicht ist gerade jetzt im Sommer mal die Zeit, das Tempo rauszunehmen und mindestens einen Gang runter zu schalten. Dinge bewusster tun und wahrnehmen. Nutzen Sie das Angebot während des Deutschen Wandertages hier in Detmold. Wandern ist nämlich tatsächlich wieder modern und auch gepilgert wird wieder mehr als noch vor Jahren. In unserer schnelllebigen Zeit ist das ein bewusster Rückschritt: Ich setze einen Fuß vor den anderen und nehme alles um mich herum deutlich wahr. Ich sehe, was um mich herum passiert und ich reagiere darauf. Das bremst mich aus und bringt mich zurück zu mir, bringt mir aber auch Gott wieder neu nahe. In der langsamen Bewegung, in dem zur Ruhe kommen kann ich Gottes Zusage an Abraham auch an mich heranlassen: Du sollst ein Segen sein (ob du nun schnell oder langsam, lange oder nur kurz, am Boden, in der Luft oder auf dem Wasser in Bewegung bist)!

Mareike Lesemann