Andacht

…und nun
weitere Meldungen…

Wer den WDR empfängt und mittels Radio am Weltgeschehen teilnimmt, der kennt den Start der Nachrichten in einem fest gefügten Rahmen: Eine Erkennungsmelodie über etliche Sekunden, dann die Zeitansage, der Hinweis, dass jetzt Nachrichten folgen, es folgt aber zuerst der Name von Sprecher oder Sprecherin, dann sogar noch ein „Guten Morgen!“ und erst dann verklingt die Erkennungsmelodie, bevor es mit der ersten echten Meldung losgeht. Naturgemäßg sind die ersten Nachrichten meist schlechte Nachrichten. Für die Medienmacher gilt, dass nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind, weil sie die Menschen aufhorchen lassen, dass sie besser zuhören und für höhere Einschaltquoten sorgen.
Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass selbst die kurzen Nachrichten noch einmal unterbrochen werden,  um mit dem Hinweis neu anzuheben: „Nun weitere Meldungen!“ Kann es sein, dass dieser Hinweis schon nach circa zwei Minuten nötig wird, weil die Aufmerksamkeit zu erlahmen droht? Kann es sein, dass das freundliche Sprecherteam vom Radio schon nach so kurzer Zeit uns wachrütteln muss:
„He, hier sind Neuigkeiten. Bitte verschlaft diese Information nicht!“? Kann es sein, dass man unsere Trägheit erkannt und durchschaut hat, dass wir für zu viel vermischte Vermeldungen gar nicht aufnahmefähig sind?

Und nun weitere Meldungen – auch noch im Gemeindebrief! Von Mal zu Mal legen wir ihn den Leserinnen und Lesern höflich vor, verbunden mit der Bitte um Ihre freundliche Aufmerksamkeit auf das, was wir an höchst unterschiedlichen Aktivitäten bieten.
Und zu Weihnachten? Da heißt es: Siehe, ich verkündige euch große Freude…
Unter dem Gewimmel von „weiteren Meldungen“ hat es diese eine Meldung wirklich nicht leicht. Gemeinhin wird sie abgelegt wie ein alter Hut. Dabei sollte man meinen: Unter all den Hiobsbotschaften hätte diese besondere Information leichtes Spiel, gehört zu werden, und mit ihrer
Kraft die Herzen der Hörer zu erreichen. Und irgendwie ist es ja auch so: Es wird zur Weihnacht wieder so werden: Am Heiligen Abend sind unsere Kirchen voll, obwohl es da immer dieselbe Botschaft gibt. Aber Achtung! Bei der Botschaft von der Ankunft Gottes auf Erden geht es nicht um immer das Alte, und es geht auch nicht um immer was anderes, um die Hörer aufmerksam zu halten. Sondern: Alle Jahre neu mischt sich diese Meldung unter das Volk. Große Freude kommt auf euch zu! Was in den Kirchen gepredigt wird, das steht seit jeher in der Bibel; aber worüber je und je gepredigt wird, das steht in der Zeitung oder wird im Radio erwähnt unter „Weiteres“. Die alte Ansage von Gottes Geburt kann den Anspruch nicht erheben, tagesaktuell zu sein und mit den Eintagsfliegen zu konkurrieren. Aber in dem Strom der täglich dahinfließenden Meldungen steht sie
wie ein Stein, der sich nicht glattspülen lässt, das Evangelium mit seinem Mehrwert an Information: Euch ist heute der Heiland geboren; Grund zu großer Freude! Auch ein Grund, es wieder mit dem Kirchgang zu versuchen. Es werden gewiss auch andere Menschen da sein, die dieser Meldung etwas zutrauen, die darum hingehen und zuhören. Denn hier geht es weiter; es geht ins Weite. Die gute Nachricht von Weihnachten führt in weiteste Horizonte. Grund genug, zum Christfest sich zu grüßen mit dem Wort, das weltweit wieder und wieder neu wird: Frohe Weihnachten!

Ihr Burkhard Krebber