Andacht

Gemeindebrief  „Wort-Weise“ April 2020:

„Auf, steh auf, geh!“,
so beginnt die Geschichte Abrahams in der Bibel.
Er lÀsst alles hinter sich, sein Vaterhaus, sein Land, seinen Lebensstil.
Er zieht in ein Land, das Gott ihm zeigen will. Er wird dort als Fremder
leben, herumziehen und darauf warten, dass Gott seine Versprechen
vom gelingenden Leben an ihm wahr macht. Er ist unterwegs
zu Gott, aber was wichtiger ist: Er ist unterwegs mit Gott. Er wird begleitet
und gesegnet, ermutigt. Gott lÀsst ihn nicht allein.
Der Maler Johann Hopffe hat ins Bild gesetzt, wie er sich das vorstellt:
Abraham kommt im versprochenen Land an. Modern wĂŒrde
man sagen: Der Maler hat ein Wimmelbild gemalt. Es gibt unendlich
viel zu entdecken.. Kamele sind zu sehen und ReisegepÀck.
Und eine Schar Kinder. Überall herrscht Bewegung. Es ist ein großer
Zug, der da heranzieht. Eine Unzahl an Personen quillt in die
Bildmitte, dahin wo Abraham, Sara und ihr Neffe Lot stehen.

Diese drei wirken ganz ruhig. Und sie sind ganz anders, wie mir sonst
alte Menschen begegnen. Abraham und Sara sind nach der biblischen
ErzÀhlung alte Leute. Hier sind sie jung und energiegeladen.
So hat sie der Maler gesehen, als wÀre der Aufbruch, die Reise, das
Unterwegs sein mit Gott etwas, was ihnen neuen Glanz und neue Kraft
verliehen hĂ€tte. Kinder spielen um ihre FĂŒĂŸe, auch wenn Abrham und
Sara zu diesem Zeitpunkt kinderlos sind.
Der Maler hat Zukunft gemalt. Er wollte sagen: Das kommt dabei heraus,
wenn jemand aufbricht und mit Gott unterwegs ist. Aus einer
kleinen Gruppe kann ein großer Zug werden. Aus etwas Alten kann
etwas Lebensfrohes hervorbrechen.
Aus dem, was keine Zukunft zu haben scheint, kann etwas werden.
Seit Abraham geht diese Botschaft Gottes durch die Welt. Manchmal
singen wir davon im Gottesdienst, vom Vertrauen auf den neuen Wegen
(EG 395). Manchmal erleben wir sogar, was diese Geschichte
erzÀhlt: das ein Mensch aufbricht und neuen Mut findet. Und dass
Gott mit uns mit geht, auf den beschwerlichen Wegen ebenso wie
auf den beschwingten.
So sind Abraham und Sara Gestalten geworden, die Menschen
verbinden. Sie verbinden uns in Erfahrungen und ĂŒber Grenzen.
Nicht umsonst ist Abraham zum Stammvater der Juden, Christen
und Muslime geworden. Sie alle finden sich wieder in seiner Geschichte,
oder besser: in Gottes Geschichte mit Abraham, Sara, Lot
und all den anderen, die das Bild und die Erde bevölkern.

Pfr. Dr. Maik Fleck