Andacht

Das Osterevangelium
Aus Mt. 28,1 -9

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.
…Da sprach der Engel zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden
von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. …Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt!

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Er ist nicht hier“ heißt es im Matthäusevangelium. Das Grab ist leer. Darum gehen die Frauen vom Grab weg. Sie kehren dem, was mit dem Grab verbunden ist, den Rücken. Sie haben es eilig und trotzdem sind ihre Knie weich. Denn – der Weg, der vor ihnen liegt, ist von keinem bisher begangen
worden. Sie fürchten sich. Sie kehren dem Tod den Rücken. Seine Herrschaft ist gebrochen. Darum
freuen sie sich gewaltig. Das kann zusammen gehen, wenn ein neuer Weg vor einem liegt – die Furcht und die Freude, das Zurückzucken und das Aufatmen.

Sie gehen los. Auf den ersten Blick ist  es ein Rückweg, ein bekannter Weg. Der Weg zum Grab ist ein ausgetretener Weg – für uns alle. Wir gehen ihn, wenn wir Abschied nehmen müssen. Manchmal nehmen wir von Menschen Abschied, weil sie sterben, oder weil Lebenspläne zerbrechen. Manchmal
nehmen wir von Hoffnungen oder einer Sehnsucht Abschied. Der Weg zu unserem eigenen Grab wird ein ausgetretener sein, von all den Abschieden in unserem Leben.

Auf diesem ausgetretenen Weg sind die Frauen unterwegs – aber nicht dem Tod entgegen, sondern dem Leben. Es ist nicht sinnlos, im Alltag die Träume zu behalten. Es ist nicht sinnlos an dem zu leiden, was wir verlieren. Es ist nicht sinnlos, Hoffnung für andere und die Welt zu hegen. Da
sind wir schon auf dem Weg, das leere Grab im Rücken – auf dem Weg des Lebens.

Und auf diesem Weg ins Leben nun kommt Jesus ihnen entgegen, auf sie zu. So ist er zu finden: nicht im Grab, sondern auf den Lebenswegen, unterwegs zu dir. Mit deinen Hoffnungen
und deinen Ängsten gehst du, selbst auf den ausgetretenen Wegen, ihm entgegen. Du weißt das nicht. Du siehst das nicht. Vielleicht ist dein Gang unsicher, vielleicht ziellos. Aber Jesus weiß, dass du unterwegs bist, mit deinem je eigenen Päckchen, das du trägst. Er kommt dir entgegen. Jesus.
Damit du nicht allein auf dem Weg bist. Vielleicht ist dein Weg nicht klar, vielleicht weiß du nicht, was richtig ist. Eines aber ist klar: Jesus kommt dir entgegen.

Und er ist so, wie er immer ist – ganz freundlich. Er ist das menschenfreundliche Gesicht Gottes. Er lächelt, so wie Menschen lächeln, wenn sie sich begrüßen. Du kennst ihn nicht, ok – aber er kennt dich. Es blitzt in seinen Augen. Er kennt deine Stärken, deine Schwächen, deine Geschichte, das was du anderen gerne vorzeigst, das was du versteckst. Er kennt dich. „Sei gegrüßt!“

Mehr nicht. Fühl dich erkannt, angesehen. Auf dem Weg des Lebens grüßt er Dich. Da, wo du dich vom Tod und seiner Macht abwendest, begegnet er Dir. Da, wo du nicht genau weißt, wie das gehen soll, kommt er auf dich zu:  Sei gegrüßt. Manchmal braucht es gar nicht mehr, um mich zum Leben zu ermutigen: Nur, dass einer freundlich zu mir ist.

Ihnen eine gute Karwoche und Osterzeit
Maik Fleck, Pfr.