Gemeindefest am 29.8.2021 auf der TalstraĂźe

Gemeindefest zum Höhepunkt des Sommers.

In der festen Hoffnung, dass nun wieder mehr Normalität in den Alltag einzieht, wollen wir mit unserem diesjährigen Gemeindefest viel Gelegenheit zum Treffen und Gegegnen geben. Möglichst viel soll unter freiem Himmel stattfinden. Der Kirchenvorstand hat sich für die Talstraße entschieden, denn in diesem Jahr gibt es dort ein besonderes Jubiläum zu feiern.

Vor dem Gemeindefest:
Das Gemeindehaus TalstraĂźe steht kurz vor seiner Vollendung!

Ob Sie es glauben oder nicht, bei Redaktionsschluss war das Gemeindehaus in Spork-Eichholz immer noch nicht fertig gebaut. Dabei steht es nun schon seit 50 Jahren an einer wichtigen Stelle: Direkt am Verkehrsknotenpunkt von Hornscher Straße, Talstraße, Drostenkamp und Kröppelgrund. Die Älteren werden sich erinnern: Ursprünglich war die Adresse „Birkenweg“, und die Straßenbahn führte direkt am Grundstück vorbei. Und wer weiß: Vielleicht entscheidet sich die Deutsche Bahn einmal für einen Haltepunkt „Eichholz“ auf der Bahntrasse, dann läge das Haus mit der Fußgängerbrücke auch gut im Schienennetz verknüpft.

Immer vorwärts: Eine Vikarin und zwei Pfarrfrauen

Im Laufe der Jahrzehnte hat das Haus vielen Zwecken gedient. Dies werden wir beim Jubiläum bedenken. Schon vor 20 Jahren haben wir den Standort gewürdigt mit einem großen rückblickenden Gemeindefest.

Damals feierten mit: Die Herren Diekmann, Knafla, Krebber

Vor 10 Jahren hatte sich der Wind gedreht, da herrschte die Meinung, dass wir uns dieses Haus aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter leisten können. Inzwischen ist der Kirchenvorstand von dieser Position abgerückt und hat die Bedeutung des Hauses, zumal in Kombination mit der Kindertagesstätte „Schatztruhe“ neu justiert. Insofern ist es nur folgerichtig, dass auch die letzten Arbeiten, die seit dem Neubau liegen geblieben sind, rechtzeitig zum Fest vollendet werden.

Seit der Eröffnung des Hauses wusste man von einem entscheidenden Defizit, das „schnellstmöglich“ behoben werden sollte: Die große Eingangstür ließ sich nur nach innen öffnen, und auch die dahinter liegende Türe, die gemeinsam einen „Windfang“ bildeten. Den Planern und der Aufsicht war dieser Umstand zu spät aufgefallen, und es hat nun sage und schreibe 50 Jahre gebraucht, um diesen Mangel zu beheben.

Seit Sommer 2021 endlich richtig drin: Die HaustĂĽr zum Gemeindehaus

Ein anderes Detail, das erst in diesem Sommer vervollständigt wurde, hat mit dem Kunstwerk zu tun, das Sie auf der Titelseite dieses Gemeindebriefes sehen können. Das steinerne Mosaik ist recht unscheinbar und ich kann mir denken, dass selbst Eichholzer, die seit Jahren und Jahrzehnten in diesem Haus verkehren, noch keine Notiz davon genommen haben. Erst recht weiß fast niemand mehr etwas über die Bedeutung, den Künstler und das „Unvollendete“ an dieser Schöpfung. Anlässlich des bedeutenden Jubiläums darf der Schleier des Vergessens ein Stück weit gelüftet werden. Anstoß für die Erschaffung dieser Kunst war wohl ein entsprechender Absatz in der Bauordnung von NRW: Öffentliche Gebäude hatten bei Erstellung einen Betrag einzuplanen, der für „Kunst am Bau“ auszugeben war. Der Kirchenvorstand entschied sich für die durchaus nicht prominente Stelle im Treppenhaus, an der ein Wand-Mosaik anzubringen sei.

Beim Verlassen des Saales hat man das Mosaik im Blick

Das Werk wurde eine ökumenische Kunst-Aktion unter Leitung und in der Verantwortung einer Künstlerin vom Säkular-Institut St. Bonifatius auf dem Detmolder Kupferberg, also eine „Nonne“, Frau Else H. Bircks (1903-1994). Ihr zur Hand ging unser damaliger Hausmeister Hermann Hermsen, der voller Staunen die Energie und Akribie dieser Dame begleitete, und noch viele Jahre später begeistert davon erzählte, mit welchem Einsatz die damals schon Siebzigjährige ihre Arbeit auf dem Baugerüst absolvierte. Im Herbst 1973 war das Wandrelief also (fast) fertig, und es erhielt sogar einen Namen: „Menschen wandern unter der Wolke Gottes zum Kreuz der Erlösung“.

Das Material lieferte das Lippstädter Marmorwerkes Friedrich Kienemund. Es besteht aus verschiedenem Gesteinsarten mit den phantastischen Namen Isola–Santa, Verona–Rot sowie Giallo Siena.

Weil das Motiv niemals im Fokus des Gemeindelebens stand, ist auch niemandem aufgefallen, dass es mit einem besonderen Effekt versehen werden sollte: Im Zentrum des Kreuzes befindet sich ein Halbedelstein, der aus einer Höhlung heraus nach draußen aufblitzt, wenn er denn mit einem Punkt-Strahler angeleuchtet wird. Die Elektro-Installation ist seit Anbeginn vorhanden; aber bis zur Anbringung des entsprechenden Leuchtmittels hat bisher die Gelegenheit gefehlt. Der 50. Jahrestag kommt da gerade recht. Im Trubel des Festes mag mancher einmal nach dem dann endlich fertigen Kunstwerk sehen. Dass sehr viele unterschiedliche Menschen unter der Gnade Gottes zum Kreuz der Erlösung wandern, dafür steht das Haus bis heute. Menschen aus mehreren Generationen zogen ein und zogen aus. Sie verbinden schöne Erinnerungen an besondere Stunden der eigenen Kindheit und Jugend dort. Nun haben wir unter unserem Dach die „Zions-Gemeinde“ zu Gast, deren Mitglieder von weither aus dem Osten gekommen sind, um ihr Leben in Freiheit zu gestalten.

Mehrmals gewährten wir Kirchenasyl in diesen Räumen. Die Dankbarkeit dafür ist immer noch spürbar. Das Haus hat gedient als Wahllokal, um ortsnah den Menschen ihre Verantwortung in Gesellschaft und Politik zu ermöglichen. Und um Haaresbreite wäre eine weitere Nutzung in Frage gekommen: Wir waren vorgesehen als das „betriebliche Impfzentrum“ der Lippischen Landeskirche! Ganz am Ende war das Haus für diesen Zweck nicht mehr nötig. Und es mag die Zeit ja kommen, dass kirchliche Immobilien abgesehen von den Kirchen nicht mehr gebraucht werden. Aber einstweilen heißt es: Gut, dass wir dieses Haus noch haben! So haben wir ein Dach über dem Kopf, wenn wir unser Gemeindefest feiern.

Burkhard Krebber