WofĂĽr lebe ich (Dieter Perret)

Gedanken zu Römer 14, 7-9: Keiner lebt für sich selber.

Für mich selbst? Für meine Frau, meine Kinder und Enkelkin-der? Möchte ich meinen Ehrgeiz befriedigen, um später einmal sagen zu können: „Schau mal, was ich alles geleistet habe?“
Ich wurde nicht gefragt, ob, wann und wo ich geboren werden wollte. Keiner von uns wird nach seinen Wünschen gefragt, wann und unter welchen Umständen er sterben möchte; Gott sei Dank! Die wesentlichen Grunddaten unseres Lebens be-stimmen nicht wir. Aber wer denn sonst? Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort, die ich nur glauben, aber nicht beweisen kann.
Es ist fĂĽr mich ein groĂźer Unterschied, ob ich einem blinden Schicksal und dem Zufall ausgeliefert bin, oder ob ich dem ver-traue, der mir seine groĂźe Liebe immer wieder gezeigt hat.
Das ist doch mein Trost im Leben und im Sterben, dass ich mich bei Gott geborgen weiĂź und dass ich fest glaube, dass er auch der Herr ĂĽber den Tod ist.
Aber wann kommt das Reich Gottes? Wir hätten so gerne einen Fahrplan, damit wir besser planen können. Das könnte uns al-lerdings so passen, exakt zu wissen, wann der Zug im Bahnhof einrollt. Gott weiß genau, warum er uns Stunde und Umstände unseres Sterbens nicht wissen lässt. Eines ist sicher: Wenn wir gehen, dann kommt er.
Wie Gott kommt, wissen wir nicht, aber dass er kommt, das ist gewiss!
Jeus sagt: „Das Reich Gottes ist schon nahe herbeigekom-men“. Dass wir so wenig davon spüren, liegt vielleicht an un-serer Dickfälligkeit. Es geht uns vielleicht wie den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Jesus ging mit ihnen, aber wegen der schrecklichen Erlebnisse und Enttäuschungen erkannten sie nichts. Mit hängenden Köpfen gingen sie ihren Weg.
Das aber gerade macht den Glauben aus, dass wir um die Ge-genwart Gottes wissen und die Jetztzeit als eine vorläufige, dem Eigentlichen vorauslaufende Zeit ansehen. Weil wir von Gott mehr erwarten, als nur ein Erdendasein, deshalb finden wir uns mit der Welt nicht ab, wie sie ist. Wenn ich bei Gott eine Zukunft habe, dann kann mir die Gegenwart nicht gleich-gültig sein.