Andacht zu Pfingsten: Sie lebt!

Sie lebt, sie lebt!

Zu Ostern wird das lippische Lied zur Auferstehung gesungen: „Er lebt, er lebt!“ Mancher mag die triumphierenden Töne noch im Ohr haben. Zu Pfingsten gibt es Gelegenheit, das Leben der Lippischen Landeskirche zu betrachten. Und auch von ihr gilt, bis heute: Sie lebt! Fern von allem Triumphalismus, fern von den großen Machtzentren der Gesellschaft, fern von allen Autobahnen mache ich mir mitunter meine Gedanken ĂŒber das, was lebt in unserer Kirche. Soweit ich meine Gemeinde kenne und das Leben der Nachbargemeinden, zeichnet es sich aus durch eine Bescheidenheit. Ich staune ĂŒber die Bereitschaft vieler Gemeindeglieder, die sich „zur Kirche“ halten, auch wenn sie nicht das große Spektakel bietet. Menschen halten sich zur Gemeinde und sind zufrieden, wenn sie sich auf den Betrieb verlassen können. So wie sich die Dörfer in die liebliche lippische Landschaft einschmiegen, so stehen die Kirchen eingebunden in die lippischen Dörfer, so ist es weithin eine SelbstverstĂ€ndlichkeit, dass das Gemeindeleben „vor Ort“ stattfindet. Dabei leben unsere Gemeinden von einer großen Errungenschaft der reformierten Tradition: Die KirchenvorstĂ€nde tragen viel Verantwortung fĂŒr das Ergehen an der Basis. Das Bild einer „Kirche von unten“ scheint mir angemessen. NatĂŒrlich lebt jede Gemeinde aus der Kraft „von oben“, aus dem Heiligen Geist. Aber der will eben „unten“ ankommen, bei den Menschen in der Nachbarschaft. Und dieser Geist sucht unter Nachbarn nach Menschen, die sich begeistern lassen, die sich bereit finden zum Engagement und die sich einsetzen zum Wohle ihrer Gemeinde. Das reformierte Erbe spricht diesem Einsatz sehr viel Kompetenz zu. Aus dem Hören von Gottes Wort erwachsen Mut und Tatkraft, dieses Wort auch zu leben. Und so wird die Kirche geleitet in vielen KirchenvorstĂ€nden landauf, landab. DafĂŒr bin ich den Reformierten dankbar.

Aber nach meiner EinschĂ€tzung ist damit das reformierte Erbe in Lippe auch schon weitestgehend beschrieben. NatĂŒrlich, da ist auch noch der Heidelberger Katechismus, der ĂŒber Generationen in vielen lippischen HĂ€usern zu Hause war. Er sorgte fĂŒr eine AuskunftsfĂ€higkeit des Glaubens bei den unterschiedlichsten Menschen in allen „StĂ€nden“. Doch schon zu seiner Entstehungszeit war ihm daran gelegen, das Evangelische zu benennen und die GrĂ€ben zwischen Reformiert und Lutherisch zu ĂŒberwinden. Abgesehen davon findet sich nach meiner EinschĂ€tzung nur sehr wenig in Lippe, was als „echt reformiert“ gelten kann. Gern wird auf die Bilderlosigkeit in unseren Kirchen verwiesen. Sie scheint mir im Lippe aber weniger ein wirklich theologisch durchkomponiertes Thema zu sein als eine Form des sparsamen Haushaltens. FĂŒr teure Bilder hatten man einfach kein Geld. Lippe ist nicht ZĂŒrich, Lippe ist nicht Genf, Lippe liegt nicht in den Niederlanden, wo Graf Simon VI eine blĂŒhende reformierte Landschaft erlebt hat. Dort haben die reformierten Maler Rubens und Rembrandt die phantastischsten Bildwerke zu biblischen Figuren geschaffen. Den Calvinismus konnte Simon VI. in seiner Heimat nicht eins zu eins umsetzen. Stattdessen hat sich eine lippische Kirche entwickelt, die man mit Fug und Recht „evangelisch“ nennen darf. Ich erkenne keinen Grund, dass sich Lutheraner von dieser Tradition abheben oder absetzen mĂŒssten. Schon gar nicht innerhalb derselben Landeskirche. Das seltsame Beharren auf „reformiert“ bzw. „lutherisch“ mag, von oben betrachtet, einen schillernden Reiz entwickeln. Und nach außen hin können wir erst recht punkten mit dieser „Eigenart“ innerhalb einer Kirche. Es sind trotz aller Sparmaßnahmen auch immer noch Ressourcen frei, um unsere „Lippische Stimme“ im Konzert der Ökumene erklingen zu lassen. An der Basis jedoch finde ich nichts, was die Freude am „Evangelischen“ ĂŒberbietet. Im Gegenteil. Die Gemeindeglieder haben wenig Interesse am Ausdifferenzieren von theologischen Spitzfindigkeiten vergangener Jahrhunderte. Sie fragen nach dem Leben und Überleben der Kirche. Sie sind bereit zum Engagement in einer Kirche, die sie kennen, und mit der sie sich identifizieren können. Kirche lebt im Wandel. „Semper reformanda“ – so haben wir das Kirchen-Programm in unsere Glocke gießen lassen. In Zukunft sind wir gut beraten, die „unterste Ebene“ der Gemeinde-Wirklichkeit im Blick zu behalten. Schließlich sind wir stolz darauf, in einer Kirche zu leben, die sich „von unten“ aufbaut. Wohin wir uns wandeln, wenn der Heilige Geist uns „von oben“ erreicht, und was wir als Belastung zurĂŒcklassen werden, das bleibt eine spannende Frage – weit ĂŒber Pfingsten hinaus.

Burkhard Krebber

 

 

HaHa

Andacht Emoji

Andacht fĂŒr den Sonntag 14.2.2021

zum Valentinstag:

Zwar gilt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Aber: Die Liebe ist das GrĂ¶ĂŸte!

Liebe Leserin und lieber Leser:

Karneval und Valentinstag liegen immer nahe beieinander. In diesem Jahr des ausgefallenen Karnevals fÀllt der Valentinstag direkt auf den Karnevalsonntag. Normalerweise ein bombastischer Anlass, um es beim nÀrrischen Treiben mit allen möglichen Liebeleien und Liebesbekundungen einmal richtig krachen zu lassen.

„Liebe“ ist ein viel gebrauchtes Wort, es wird in allen MĂŒndern gefĂŒhrt, kann allerhand bedeuten und steht insgesamt fĂŒr ein GefĂŒhl. So heißt es in der Zauberflöte: „Bei MĂ€nnern, welche Liebe fĂŒhlen
“ Und unter allen GefĂŒhlen steht die Liebe obenan. „Es ist das Schönste hier auf Erden, zu lieben und geliebt zu werden“. Wer dies einmal in seinem Leben erlebt und gefĂŒhlt hat, kann ein Lied davon singen; und Liebes-Lieder gibt es wie Sand am Meer. StĂ€rker als ein Löwe und sĂŒĂŸer als Honig ĂŒberkommt uns das, was Liebe heißt, und beflĂŒgelt zu großartigen Dingen.

Bei allem Überschwang der GefĂŒhle hat der Pastor auch gleich einen Wermutstropfen fĂŒr den Liebesbecher parat: Passt auf, dass die Liebe nicht zu eng gefĂŒhrt wird auf das klopfende Herz, auf den unersĂ€ttlichen Trieb, auf das sehnsĂŒchtige Seufzen. Liebe ist nicht nur ein GefĂŒhl, Liebe ist schon gar nicht „nur ein Wort. Liebe: Das sind Worte und Taten.“ So heißt es in einem modernen Kirchenlied. (Unser Kantor Johannes Pöld hat dazu ein „verliebtes Vorspiel“ komponiert.)

Es gibt ein altes Lied, das in der Bibel steht. Verfasst von dem Apostel Paulus ist uns das „Hohelied der Liebe“ ĂŒberliefert. Den letzten Satz dieses Liedes kennen (fast) alle. Aber ehe Paulus zu seinem Höhepunkt kommt, hat er Überraschendes zu sagen ĂŒber die Liebe, mit der Gott uns Menschen begegnet. Wir wissen es doch: Wir brauchen mehr Liebe, als wir verdient hĂ€tten, und hier kommt sie:

Erster Korintherbrief, Kapitel 13: Das Hohelied der Liebe

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete

und hÀtte der Liebe nicht,

so wÀre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte

und wĂŒsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis

und hÀtte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte,

und hÀtte der Liebe nicht,

so wÀre ich nichts.

3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gÀbe

und meinen Leib dahingĂ€be, mich zu rĂŒhmen,

und hÀtte der Liebe nicht,

so wĂ€re mir’s nichts nĂŒtze.

4 Die Liebe ist langmĂŒtig und freundlich,

die Liebe eifert nicht,

die Liebe treibt nicht Mutwillen,

sie blÀht sich nicht auf,

5 sie verhÀlt sich nicht ungehörig,

sie sucht nicht das Ihre,

sie lÀsst sich nicht erbittern,

sie rechnet das Böse nicht zu,

6 sie freut sich nicht ĂŒber die Ungerechtigkeit,

sie freut sich aber an der Wahrheit;

7 sie ertrÀgt alles,

sie glaubt alles,

sie hofft alles,

sie duldet alles.

8 Die Liebe höret nimmer auf,

wo doch das prophetische Reden aufhören wird

und das Zungenreden aufhören wird

und die Erkenntnis aufhören wird.

9 Denn unser Wissen ist StĂŒckwerk und unser prophetisches Reden ist StĂŒckwerk.

10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das StĂŒckwerk aufhören.

11 Als ich ein Kind war,

da redete ich wie ein Kind

und dachte wie ein Kind

und war klug wie ein Kind;

als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.

12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild;

dann aber von Angesicht zu Angesicht.

Jetzt erkenne ich stĂŒckweise;

dann aber werde ich erkennen,

gleichwie ich erkannt bin.

13 Nun aber bleiben

Glaube, Hoffnung, Liebe,

diese drei;

aber die Liebe

ist die grĂ¶ĂŸte unter ihnen.

Ehrlich gesagt:

Nur mit „GefĂŒhl“ ist das nicht zu beschreiben, was Paulus hier darlegt.

Im GesprĂ€ch mit seiner Gemeinde in Korinth geht es um Gedeih oder Verderb der ganzen christlichen Existenz. Alles Reden und Tun, und auch alles FĂŒhlen muss auf die Liebe hin befragt werden: Kommt es aus Liebe? FĂŒhrt es in die Liebe? Wenn beides mit „Ja“ beantwortet werden kann, dann hat es Bestand. Unser Wissen, unser Willen und unser FĂŒhlen – Es ist alles un-vollkommen. Das Siegel der Vollkommenheit wird dem ganzen Getriebe aufgeprĂ€gt, wenn es von einer so umfĂ€nglichen Liebe getragen ist.

Man mache einmal den Test und ersetze beim Lesen das Wort „Liebe“ durch „Jesus Christus“. Es heißt doch: „Jesus ist die Liebe Gottes in Person.“ Gewinnt das „Hohelied der Liebe“ dann einen anderen, volleren Klang? Ist es nicht auch entlastend fĂŒr unser Liebes-GefĂŒhl? Was in 1. Korinther 13 von der Liebe gesagt wird, ĂŒberschreitet bei weitem das, was ich an Liebes-GefĂŒhlen in meinem kleinen Leben aufbringe. Aber mit meinen Liebes-Fetzen und -Fragmenten weiß ich mich von einer Liebe umgeben, die mir mehr gibt, als ich verdiene.

Wenn die Liebe am Valentinstag einen Vorgeschmack gibt auf das vollkommene Liebes-Wirken Gottes, dann ist mir dieser Festtag hochwillkommen; dann freue ich mich an allen Liebesregungen zumal zwischen jungen Menschen, die sich selbst und die sich gegenseitig entdecken. Mit der Liebe wachsen wir ĂŒber uns hinaus; gebe Gott, dass wir in seine Liebe hineinwachsen.

Amen.

FĂŒr die Online-Andacht mag es ja reichen, bis hierher.

FĂŒr einen Bibel-GesprĂ€chskreis hĂ€tte ich noch etliche Beobachtungen an dem Text:

– Ein Hoch auf die Lutherbibel 2017 und die Wiederentdeckung dieser zauberhaften Formulierung „…und hĂ€tte der Liebe nicht“! Kein Tippfehler, sondern Zeichen einer Anteilhabe.

– Was haben wir im Reich der Liebe wohl zu erwarten, wenn es aus der Welt des StĂŒckwerks hinein geht in die Vollkommenheit?

– Auch wenn es heißt: Die Hoffnung stirbt zuletzt; dann steht dem entgegen: Die Liebe stirbt nie!

– Und immer bedenken: Paulus war kein Lyriker; ihm ging es nicht darum, einen Preis in Poesie zu gewinnen, sondern eine Gemeinde lebendig zu erhalten und auf dem richtigen Kurs zu fĂŒhren. Er schreibt: Ich zeige euch einen köstlicheren Weg. In welche Situation er hinein sprach, und wie er die Krisen der Gemeinschaft ĂŒberwand, das könnte wohl auch unserer Gemeinde gut tun.

– Was ist wohl aus dem Hunger nach „Erkenntnis“ geworden? In Zeiten von Wikipedia reicht ein Knopfdruck


– Was hat es mit dem PhĂ€nomen des „Zungenredens“ auf sich? Obwohl Paulus schon vor 2.000 Jahren dagegen argumentiert, suchen heutzutage viele Millionen, meist evangelische, Christen diese Art der Glaubenserfahrung, als ob sie ĂŒber den Status „StĂŒckwerk“ hinausragen wĂŒrde.

– Wie stehen die Hoffnung und der Glaube zu dem PhĂ€nomen der Liebe?

– Und wie kann Paulus ĂŒberhaupt vom „Bleiben“ schreiben in einer Welt, wo alles vergeht, zumal das GefĂŒhl einer verletzten Liebe?

Ein winterliches Liebeszeichen haben SpaziergÀnger an einer Hecke installiert. Herr Thomas Michael hat es gesehen, fotografiert und prÀsentiert. Foto: Privat

 

Andacht fĂŒr den Sonntag       Sexagesimae – 07.02.2021

von Pfarrerin Mareike Lesemann

Votum:

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat,

der Bund und Treue hÀlt ewiglich

und der nicht preisgibt ein Werk seiner HĂ€nde. Amen.

Gebet:

Gott,

Wir kommen zu dir und hören auf dein Wort.

Alles, was uns durch die Woche begleitet hat, wollen wir vor dich bringen und zur Ruhe kommen.

Wir bringen vor dich, was wir abgeben wollen.

[Stille]

Dir können wir alles anvertrauen, dir vertrauen wir, du hörst uns zu.

Dir und deinem Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert, sei Lob und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lied: Gelobt sei deine Treu (EG 681)

1. Gelobt sei deine Treu, die jeden Morgen neu
uns in den Mantel deiner Liebe hĂŒllt,
die jeden Abend wieder, wenn schwer die Augenlider,
das schwache Herz mit Frieden fĂŒllt.


2. Wir wolln dem Namen dein im Herzen still und fein
lobsingen und auch laut vor aller Welt.
Nie hast du uns vergessen, schenkst Gaben unermessen,
tagtÀglich deine Hand uns hÀlt.


3. Kleidung und Brot gibst du, der NĂ€chte Ruh dazu
und stellst am Morgen ĂŒber jedes Dach
das Taggestirn, das helle, und mit der gĂŒldnen Welle
des Lichts nimmst du das Ungemach.


4. Gelobt sei deine Treu, die jeden Morgen neu
uns deine abgrundtiefe Liebe zeigt!
Wir preisen dich und bringen dir unser Lob mit Singen,
bis unser Mund im Tode schweigt.

Lesung: Lukas 8,4-8

Das Gleichnis vom SĂ€mann

4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: 5 Es ging ein SĂ€mann aus zu sĂ€en seinen Samen. Und indem er sĂ€te, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. 6 Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 7 Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. 8 Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.

Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Auslegung:

Manches ist fĂŒr uns ganz selbstverstĂ€ndlich: Hören zum Beispiel. Wir können es von Geburt an. Es gibt sogar Untersuchungen, dass wir bereits im Mutterleib hören und auf bestimmte Stimmen oder Töne schon bewusst reagieren. Aber erst, wenn es im Alter mit dem Hören schlechter wird, merken wir, was uns da eigentlich verloren geht. So selbstverstĂ€ndlich ist das Hören fĂŒr die meisten von uns.

Aber Hören ist ja nicht gleich Hören. Vieles hören wir ja eher so nebenbei, als eine Art Rauschen im Hintergrund – z.B. den VerkehrslĂ€rm, die Vögel im Garten oder oft auch das Radio. Anderes hören wir aber ganz bewusst. Dann hören wir ganz genau hin, achten auf Betonungen oder Zwischentöne und speichern die aufgenommenen Information ab. Diese Informationen arbeiten und wirken sie uns. Manche dieser Informationen lösen etwas in uns aus. Es kommt eben darauf an, wie wir hören und inwieweit wir uns auf das Gehörte einlassen können.

Das ist es, wozu Jesus uns im Gleichnis vom SĂ€mann auffordert: „Hört genau hin! Nutzt, was euch gegeben ist! Hört, was ich euch sage! Lasst euch darauf ein! Denn ich sage euch nicht irgendwas, was euch nur als Hintergrundrauschen dienen soll. Ich sage euch das Wort Gottes weiter. Ich sage euch, dass Gott euch sieht. Ich sage euch, dass Gott euch liebt; egal, was ihr selbst von euch denkt. Hört mir also zu. Nehmt auf, was ich euch sage und sagt es auch gerne weiter.“

Jesu Worte sind eine Aufforderung an uns. Sie ermutigen uns, genau hinzuhören. Sie fordern uns auf, Gottes Wort in unserem Leben zu erkennen, in uns aufzunehmen, damit es dort Wurzel schlagen kann. So kann Gottes Wort in unserem Leben wirken und auch weit darĂŒber hinaus. Es bestimmt unser Handeln und unser Zuhören. Gottes Wort ist mehr als ein Hintergrundrauschen und dessen ist sich Gott ziemlich bewusst. Bei Jesaja heißt es dazu: „Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurĂŒckkommen, sondern wird tun, was mir gefĂ€llt, und ihm gelingt, wozu ich es sende“ (Jesaja 55,11). Gottes Wort in uns wirkt um uns herum und entfaltet so hundertfache Wirkung.

Deshalb schlage ich Ihnen eine kleine Aufgabe fĂŒr die nĂ€chste Woche vor: Nehmen Sie die Worte Jesu mit in die nĂ€chste Woche: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Hören Sie also zu. Versuchen Sie Spuren Gottes in ihrem Leben zu finden. Dazu bedarf es einer großen Aufmerksamkeit und offener Ohren. Hören Sie auch ihren Mitmenschen zu. Schenken Sie ihnen ein Ohr fĂŒr ihre Freuden, aber auch fĂŒr ihre Sorgen und Nöte. Nutzen Sie ihre Ohren und lassen Sie das Gehörte in sich wirken.* Amen.

  • Und wenn Sie ein offenes Ohr brauchen, dann rufen Sie mich gerne an. (Tel.: 05231-6023006)

Lied: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (EG 591)

FĂŒrbitten:

Gott, gib uns Ohren, die hören, damit wir zuhören. Schenk uns ein offenes Ohr fĂŒr dein Wort in unserem Leben. Schenk uns ein offenes Ohr fĂŒr unsere Mitmenschen. Schenk uns aber auch ein offenes Ohr, das uns zuhört.

Gott, gib uns Augen, die sehen, wie wunderschön deine Schöpfung ist und wie du in unserer Welt wirkst. Gib uns aber auch Augen, damit wir sehen, was in der Welt schief lÀuft und wo wir helfen können. Wir wollen mit offenen Augen durch die Welt gehen und deine Wunder weitersagen.

Gott, gib uns ein weites Herz, um dich und unsere Mitmenschen zu verstehen. Wir hören dein Wort, wir sehen deine Werke und geben sie weiter. Gott, gib uns den Mut unsere Wege zu gehen.

Gott, wir bringen vor dich, was uns freut und uns Angst macht.

Wir bringen vor dich die Menschen, die wir lieben.

(Stille)

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tÀgliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und fĂŒhre uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Der HERR segne dich und behĂŒte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten ĂŒber dir und sei dir gnĂ€dig; der HERR hebe sein Angesicht ĂŒber dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Gedanken zum Sonntag 31. 1. 2021, dem letzten im Januar, dem letzten in der Weihnachtszeit.

Licht am Ende des Tunnels?

Liebe Gemeinde, nun ist der Januar auch am Ende, und richtig hell ist es nirgendwo. Weder lÀsst die Natur erkennen, dass die Tage deutlich heller werden, noch hellen sich unsere Gesichter auf, wenn wir auf die Inzidenz-Zahlen sehen und an die Verzögerungen denken, die uns den Impfstoff vorenthalten.

Immerhin bietet das Kirchenjahr am Ende des Weihnachtskreises noch einmal Gedanken zu dem geheimnisvollen Leuchten, das uns von Gott her umgibt. Ich folge einem Gedanken-Gang des Apostel Paulus, den er im 2. Brief an die Korinther ausbreitet. Er beginnt (Kapitel 4):

„Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstĂŒnde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“

Da ist der Begriff: Licht! Licht nicht am Ende des Tunnels, sondern am Anfang der Zeit. Paulus erinnert an das erste Tun Gottes auf Erden: Er hat in der Schöpfung zuerst einmal fĂŒr Klarheit gesorgt. Mit den Konfirmanden habe ich es in dieser Woche gelesen und bedacht: Das erste, was Gott tut am ersten Schöpfungstag, er sprach: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht, und Gott sah, dass das Licht gut war. – Da will er uns haben Im Licht seiner Liebe. Daran erinnert Paulus, um dann gleich weiter zu schließen: So wie damals am Anfang, so setzt Gott immer wieder einen neuen Anfang bei jedem Menschen: Er lĂ€sst einen „hellen Schein“ im Herzen aufleuchten. Und das darf man mal in Anspruch nehmen: Die Christen strahlen etwas aus. Da ist Zuversicht und eine positive Einstellung zum Leben, da herrscht keine Panik, und in einem erleuchteten Herzen macht sich keine Verzweiflung breit. Es erinnert an eine Laterne, mit der jeder Mensch den Raum in sich und um sich erleuchtet. Jesus Christus hatte keine Angst vor den „kleinen Lichtern“. Auch Paulus setzt nicht auf das gleißende Strahlen von Flak-Scheinwerfern. Das Licht der Herzen sorgt fĂŒr eine ganz besondere und ĂŒberraschende Beleuchtung. Wenn wir Paulus folgen, dann dient dieses Herzenslicht, um das Antlitz von Jesus Christus besser zu erkennen. Es soll Jesus hervorleuchten lassen.

Denn das andere gibt es auch: Das Antlitz unseres Heilands liegt oft genug im Dunkeln verborgen. Das dunkle Gesicht Gottes ist den JĂŒngern vertraut und in der Kirche bekannt. Die vertrauten GesichtszĂŒge sind verschwommen, die liebevollen Augen des Herrn sind nicht auf die Gemeinde gerichtet, der freundliche Mund bleibt stumm, und der strahlende Blick bleibt hinter Schatten verborgen.

Auch dazu ĂŒberliefert die Bibel eine ergreifende Geschichte: Jesus, der Fremde! Jesus die unheimliche Gestalt, die vorbei ziehen will an der verschreckten JĂŒngerschar. Eine Horrorvorstellung fĂŒr die ganze Mannschaft. Die Evangelien berichten davon: Jesus hatte seine Boten ausgesandt, sie waren beauftragt zu einer Dienstreise, die sie ĂŒber das Meer fĂŒhrt. Er selber wollte spĂ€ter nachkommen, sie aber hatten die Aufgabe, ohne ihn ihr Ziel zu erreichen. Es dauert, und WiderstĂ€nde tun sich auf. Aus dem Tag der hellen Gemeinschaft wird die finstre Nacht des zĂ€hen Ringens. Und der gerade noch freundliche See mit seinen anmutigen Ufern gebĂ€rdet sich gefĂ€hrlich und unwirtlich. Gegenwind und hoher Seegang. Wohin also mit dem guten Mut? Er sinkt! Was wird also aus den hehren Zielen? Sie zerlaufen in nĂ€chtlichen Schwaden. Nirgends Hoffnung; nirgends Land. Und dann das Schlimmste: Ein Gespenst. Die JĂŒnger haben es alle gesehen. Alle waren sie von Angst ergriffen, alle haben sie geschrien. Eine Gestalt auf den Wassern, stellt sich, als wolle sie weiter, lĂ€sst die erschöpften und ausgelaugten Seeleute nicht nur kraftlos im Boot zurĂŒck, sondern setzt ihnen noch zu mit dem dunklen Bild dieser Erscheinung. – Immer wieder ist die Christenheit in solche NĂ€chte geraten: Hilflos, kopflos, orientierungslos. Und kein freundliches Angesicht ihres Herrn und Meisters. Da ist guter Rat teuer. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, ist auch in diesen trĂŒben Tagen oft allein auf hoher See. Wo ist Gottes FĂŒrsorge fĂŒr die Menschen, die isoliert und allein leben oder sterben? Wo ist Gottes Vorsehung, wenn jetzt der Streit beginnt ĂŒber die Mengen und Quoten der Impfstoffe? Woher kommt uns Hilfe? Psalm 121 antwortet: Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Jesus auf den Wogen spricht die JĂŒnger an mit seinem ureigenen Wort: „Seid getrost; ich binÂŽs; fĂŒrchtet euch nicht!“ – Das haben sie gehört, nachts in der brĂŒllenden See. Und Paulus hat es gesehen, in seiner höchst angefochtenen Mission: Von Gott kommt mir ein Freudenschein! Und es scheint nicht nur so, sondern dieser Schein ist echt, so dass ich es wieder sehe und genau erkenne: Das liebevolle Antlitz meines Herrn, der mich nicht zuschanden kommen lĂ€sst. Der erhebt sein Angesicht und lĂ€sst es leuchten, damit wir wieder Frieden finden. Dass uns dieser Frieden aber nicht hinaus katapultiert aus allen Anfechtungen, das weiß der Apostel nur zu gut. Er kann ein Lied davon singen. Und dieses Lied schließt sich gleich an. Ich zitiere wieder den 2. Korintherbrief:

„ Wir haben aber diesen Schatz in irdenen GefĂ€ĂŸen,

auf dass die ĂŒberschwĂ€ngliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.

Wir sind von allen Seiten bedrĂ€ngt, – aber wir Ă€ngstigen uns nicht.

Uns ist bange, – aber wir verzagen nicht.

Wir leiden Verfolgung, – aber wir werden nicht verlassen.

Wir werden unterdrĂŒckt, – aber wir kommen nicht um.

Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, – auf dass auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.“

Der Schatz in irdenen, erd-schweren GefĂ€ĂŸen! Ja, es ist ein riesiger Schatz! Und nein, er ist nicht immer verfĂŒgbar. Ja, es ist das Kostbarste, was wir haben. Und nein, wir haben es auf keiner Bank. Ja, er schenkt uns ĂŒberreiches Vermögen. Und nein, wir vermögen nichts aus eigener Kraft, Herkunft und Moral.

Es bleibt bei dem ewigen Kreislauf von BedrÀngnis, Bangigkeit, bis hin zu dem Sterben, das wir allenthalben an unserem Leib mit herumschleppen. Aber es steht auch die Zusage, dass wir nicht nur mit dem Sterben und dem Sterben Jesu verbunden sind, sondern dass wir auch sein Leben mit uns herum tragen. Es beginnt mit dem Funken, den er in unserem herzen schlÀgt. Das Gotteslicht verlöscht nicht wieder, es gibt Mut und KreativitÀt, es macht uns staunend, unerschrocken, voller Freude, und es macht uns zu Protestleuten gegen den Tod und seinen dunklen Machenschaften. Das versetzt uns in die Lage, auch in BedrÀngnis solidarisch zu bleiben, nach Hilfen und Auswegen zu suchen, und gemeinsam die NÀchte zu durchwachen, bis Rettung naht. Wir haben Jesus im Herzen, und wir haben Jesus am Hals, ja wir haben ihn mit seinem Tod und seinem Leben lebenslang am Balg. Das Leben Jesu ist uns auf den Leib geschrieben.

Also: Auch wenn das Ende des Tunnels Ende Januar noch nicht erreicht ist, auch wenn wir immer noch fragen mĂŒssen: „Ach Herr, wie lange?“ Auch wenn wir immer wieder diesem dunklen Angesicht begegnen, wir halten doch fest, dass uns das Wort erwischt, das er aus der Nacht an uns richtet: „Seid getrost, ich binÂŽs, fĂŒrchtet euch nicht!“ So wollen wir uns den Herausforderungen stellen: Dem gefĂ€hrlichen Corona-Virus, der erdrĂŒckenden Lockdown-Not und den vielen UntergĂ€ngen, die uns allenthalben umgeben. Der Mut fĂŒr den nĂ€chsten Schritt wird in uns erwachen, wo die Flamme seiner göttlichen Liebe unsere Herzen entfacht und wir wieder klar sehen, wo unser Herr uns erwartet, wo er uns voran geht, und wo er uns haben will an der Seite seiner Geschöpfe, die ihm alle herzlich lieb sind. Darum will ich nicht nachlassen mit meiner Hoffnung, dass noch rechtzeitig der Impfstoff ankommt und hilft, dass noch rechtzeitig das gesellschaftliche Leben wieder aufblĂŒht und dass darum niemand alleine zurĂŒck bleibt und niemand in verzweifelte AbgrĂŒnde stĂŒrzen muss. Dieses Licht soll leuchten und kann leuchten, auch wenn der Tunnel noch lĂ€ngst nicht zu Ende ist.

Ihr Burkhard Krebber

Einen musikalischen Gruß von unserem Kantor Johannes Pöld lege ich gleich dazu. Er intoniert auf der Oesrtreichorgel der Erlöserkirche: Morgenglanz der Ewigkeit. Zu hören hier:

Die obere Orgel-Einspielung zum Eingang ist dem Psalmlied eg 634 (RWL) gewidmet: Mein ganzes Herz erhebet dich.

2021-1-30 Gedicht zur Andacht , entnommen aus:

„Auch ich bin Amerika“, Berlin 1948

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Das Evangelium zum 3. So. n. Epiphanias, 24. Januar 2021

Text: MatthĂ€usevangelium 8, 5 – 13

Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm;

der bat ihn und sprach:

Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelĂ€hmt und leidet große Qualen.

Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.

Der Hauptmann antwortete und sprach:

Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst,

sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.

Denn auch ich bin ein Mensch,

der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage:

Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er;

und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s.

Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten:

Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!

Aber ich sage euch:

Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in

die Finsternis; da wird sein Heulen und ZĂ€hneklappern.

Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast.

Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Liebe Gemeinde!

Eine Heilungsgeschichte! – Eine Krankheitsgeschichte. Haben wir nicht Krankheit genug um uns herum, als dass wir uns an einer antiken Wundergeschichte wĂ€rmen wollten? Das Virus treibt uns auseinander, so dass wir uns nicht sammeln können um ein Wort aus der Heiligen Schrift!

Versuchen wirÂŽs auf virtuellem Wege im Internet und gehen mit dieser Geschichte den Gestalten nach, die uns der Evangelist MatthĂ€us vor Augen fĂŒhrt:

Die zwei wichtigsten Rollen in der Szene spielen Jesus und der Hauptmann. Der Knecht, um dessen Heilung es bei dem Wunder geht, hat im Grunde nur eine Nebenrolle.

Von ihm erfahren wir fast nichts: Er lag zu Hause, war gelĂ€hmt und litt große Qualen.

Dann am Ende wurde er gesund „zu derselben Stunde“. Mehr wird nicht gesagt. Keine nĂ€here Beschreibung der Krankheit oder seines Berufes. Ein Soldat? Der Koch? – Keine Auskunft.

Interessant wĂ€re es natĂŒrlich, zu wissen, wie der Knecht die ganze Geschichte erlebt hat.

Also gehen wir hin zum Haus des Hauptmanns, fragen wir den Knecht, der krank war und auf so wunderbare Weise gesund geworden ist.

Schon von weitem hören wir festliche KlĂ€nge. Es wird gefeiert im Hause des Hauptmanns. Nur mĂŒhsam bahnen wir uns einen Weg durch die Menge der Menschen. Fröhliche Gesichter ĂŒberall. Der Knecht hat groß eingeladen. Alle sollen an seiner Freude teilhaben. Endlich ist ist er wieder gesund!

Und da, mitten in der frohen Schar, sehen wir ihn selbst. Immer wieder ruft er es den GĂ€sten zu: „Ihr wisst, wie es um mich stand, aber seht her, ich kann mich wieder bewegen, wieder ohne Hilfe gehen und springen.“ Und dann erzĂ€hlt er die ganze Geschichte aus seiner Sicht: „Das war heute morgen. Ich erwachte mit furchtbaren Schmerzen. So schlimm war’s noch nie. Ich konnte mich buchstĂ€blich nicht mehr rĂŒhren. Als ich nicht zum Dienst erschien, kam unser Hauptmann, um nach mir zu sehen. Als ich nach einem Arzt verlangte, meinte er: Dir kann kein Arzt helfen. Er sprach aber von einem jĂŒdischen Rabbi. Von dem hatte er gehört, der könne Menschen gesund machen. Und zu dem wolle er gehen. Als er mich verließ, war ich verzweifelt. Ihr kennt ja den Hauptmann. Bei aller Achtung fĂŒr unseren Vorgesetzten – aber Bitten ist nicht seine StĂ€rke! Ihr wisst, wie’s zugeht beim Appell: Befehlen und Kommandieren, das kann er, aber bitten…?

Und dann bei einen jĂŒdischen Rabbi! Ich habe nicht geglaubt, dass er wirklich

gehen wĂŒrde und ich war mir sicher: So weit wĂŒrde sich unser Hauptmann niemals erniedrigen: Er als Bittsteller bei einem Juden? Und dann, was wĂŒrde er denn erreichen? Er, ein Römer, ein Offizier der verhassten Besatzung bei einem Juden!? Ihr wisst, wir Römer sind nicht gerade beliebt in Land. Doch dann, kaum zwei Stunden spĂ€ter, da verschwanden die Schmerzen; ich konnte aufstehen, wieder gehen. Ich weiß nicht, wie’s der Hauptmann fertig gebracht hat; ich weiß nur, jetzt bin ich gesund und habe keine Schmerzen mehr. Unser Hauptmann muss bei diesem Juden gewesen sein, bei diesem Jesus. Ich habe ihn gefragt, wie’s zuging bei ihm. Aber er redet nicht darĂŒber. Irgend etwas hat ihn wohl sehr bewegt, er schien mir vorhin ganz verĂ€ndert. Aber das eine steht fest: Er war bei diesem Jesus und hat ihn fĂŒr mich gebeten. Um Hilfe gebeten fĂŒr mich, einen einfachen Knecht. Mir kommt das vor wie ein Wunder!“

Wir kennen die andere Seite der Geschichte, die der Knecht nicht kennt. Ja, der Hauptmann hat sich auf den Weg zu Jesus gemacht. Er wird wohl hingeritten sein, wohl auch mit Gefolge. Ein herrischer Mensch! Aber so einer, dem keiner das Bitten zugetraut hĂ€tte, der tat es auf einmal: Bitten! – und das nicht fĂŒr sich selbst! Er war sich nicht zu gut, sich so klein zu machen. Ein stolzer, befehlsgewohnter Mensch wird zum demĂŒtigen Bittsteller. Der Herr ĂŒber viele römische Soldaten redet Jesus mit „Herr“ an. Und das ist nicht Herablassung, das ist echte Demut: „Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, aber sprich nur ein Wort!“ Und dann, militĂ€risch knapp: „Wenn ich meinen Leuten sage, kommt, so kommen sie. Wenn ich sage tut dies, so tun sie’s. Herr, das kannst du doch auch: Sprich nur ein Wort, so wird’s geschehen. Ich traue dir soviel zu!“ Wahrhaftig, der Hauptmann ist nicht mehr der, den seine Soldaten kannten.

Vor Jesus ist er ein anderer geworden. Er, der die Befehlsgewalt kennt, traut diesem Jesus zu: Der erst recht hat alle Befehlsgewalt, wie im Himmel so auf Erden! Das ist das Wunder. Der Hauptmann hat’s erfahren. Die Heilung seines Knechts erhĂ€lt er obendrein wie eine Zugabe. Beeindruckt vom Vertrauen dieses Menschen kann Jesus die Bitte nicht abschlagen: „Dir geschehe, wie du geglaubt hast.“

Der Name dieses römischen Offiziers ist uns unbekannt. Er spielt keine Rolle. Aber was dieser Mensch fertig bringt, macht ihn zum Vorbild fĂŒr unsere Zeiten: Er kommt zu Jesus, vertraut ihm und erwartet alles von ihm: „Wenn du der Heiland bist, dann kannst du auch heil machen! Sprich nur ein Wort…“ Er kommt zu Jesus und wird bei diesem Heiland ein anderer: Der Mann, der bisher nur befehlen konnte, lernt das Bitten. Er kommt zu Jesus und tritt fĂŒr einen anderen ein: Herr, mein Knecht leidet große Qual


In Corona-Zeiten rĂŒhrt mich diese Haltung: Nicht darauf aus sein, selber den Schutz zu genießen, sondern sich einsetzen fĂŒr die Heilung eines Untergebenen. Er steigt herab vom hohen Ross. Und damit stĂ¶ĂŸt er bei Jesus offene TĂŒren ein.

Haben wir bisher nicht immer gedacht, das Wunder dieser Geschichte lĂ€ge in der Heilung des Knechtes? – Dabei geschieht das Wunder an ganz anderer Stelle, bei dem heidnischen Hauptmann! Von ihm sagt Jesus: Solchen Glauben habe ich bisher unter meinen eigenen Leuten nicht gefunden!

Darum lassen wir uns den Glauben dieses Hauptmanns zum Vorbild dienen:

Dass wir uns – auch wenn uns das einmal große Überwindung kostet – mit allem, was uns quĂ€lt und belastet zu Jesus aufmachen. Dass wir von ihm alles erwarten: Heilung und Heil an Leib und Seele. Dass uns kein GeschwĂ€tz der Leute davon abhĂ€lt, zu ihm zu gehen, kein „du kannst doch nicht machen!“ und kein „du bist doch nicht fromm oder christlich genug“! Dass uns das Wort Jesu aufgehe: Dir geschehe, wie du geglaubt hast.

Ich lade dazu ein, ihm zu vertrauen, dass er nicht ansieht, was wir bisher gewesen, woher wir kommen und wie wir bisher mit ihm gestanden haben. Ich möchte um das Vertrauen werben: Er wird uns helfen! Beim Abendmahl in der katholischen Kirche wird dieser Satz von allen Teilnehmenden gesprochen, mit der wunderschönen VerĂ€nderung darin: „Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!“

Gesundheit in Zeiten der Pandemie ist plötzlich ein hohes Gut geworden. Hoffen wir auf eine baldige Impfung! Aber das ist nicht alles. Der Leib ist es nicht allein, der erkranken kann. Es gibt auch kranke Seelen, die dem Druck der Pandemie nicht mehr standhalten können. Die Seele verlangt ebenfalls nach Heilung und Heil. In einem Lied hat Paul Gerhardt die Not des Menschen und die Hilfe des Herrn beschrieben:

Meiner Seele Wohlergehen hat er ja recht wohl bedacht,

Will dem Leibe Not entstehen, nimmt erÂŽs gleichfalls wohl in Acht.

Wenn mein Können, mein Vermögen

Nichts vermag, nichts helfen kann,

Kommt mein Gott und hebt mir an,

Sein Vermögen beizulegen.

Alles Ding wÀhrt seine Zeit,

Gottes Lieb in Ewigkeit.

Das andere vergessen wir bitte nicht: Dass wir auch mit den Sorgen und Nöten unserer Mitmenschen vor Jesus treten. Dass wir auch fĂŒr sie beten und bitten. Dass wir uns fĂŒreinander stark machen bei ihm und so miteinander wieder in die Gemeinschaft hinein finden, die wir momentan so vermissen.

Einen solchen Glauben zu empfangen, das ist schon ein Wunder. Und wo dieser Glaube einmal um sich greift, da empfĂ€ngt er Wunder ĂŒber Wunder. Amen